8kids (D) – Denen die wir waren

8kids (D) – Denen die wir waren

📁 Musik, Reviews 🕔30.Mai 2017
8kids (D) – Denen die wir waren

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Nachdem sich das Darmstädter Trio 8KIDS als Opening Act auf der diesjährigen SPRING BANGERS European Tour mit TO THE RATS AND WOLVES einem breiteren Publikum präsentiert und einen Namen erspielt hatte, erscheint nun über NAPALM RECORDS ihr Debüt-Full-Album „Denen die wir waren“, als Nachfolger zur 2016 erschienenen EP „Dämonen“.

Die drei äußerst sympathischen jungen Musiker, die ich auf oben genannter Tour im April kennenlernen durfte, haben sich zu ihrem Album zu folgender, bedeutungsschwangeren Aussage hinreißen lassen:

„Unser Debüt-Album ‚Denen die wir waren‘ ist unser erstes großes Lebenszeichen an die Menschen dort draußen. Das erste Album ist natürlich mit einer ungeheuren Magie verbunden und für uns zugleich eine Widmung an unser früheres Selbst, an diejenigen, die uns zurückließen und diejenigen, die zurückgelassen wurden. Die 13 Songs leben von der gewaltigen Intensität unserer tiefsten Emotionen und das soll in jedem Titel für Euch da draußen zu spüren sein.“

8KIDS beschreiben ihre Musik als Post-Hardcore mit großen Gefühlen, rauen tragenden Gitarren und tiefgründigen Texten… So richtig viel Hardcore höre ich jetzt nicht auf dem Album; die einzige Ausnahme ist der Up-Tempo-Stück „Zerbrechen“, das alle Kriterien eines lupenreinen Hardcore-Songs erfüllt, Stakkatoriffs, High-Speed-Drumgeknüppel und kreischenden Gesang, ideal zum Pogen. Der Rest von „Denen die wir waren“ ist in meinen Augen sehr gute, düstere, teils brutale Gitarrenrockmusik, die Härte mit eingängigen, teils poppigen Melodien zu einer interessanten Mixtur verschmelzen lässt. Musikalisch bieten 8KIDS eine gewisse Brandbreite, die sich im Rahmen solider ausgeprägt Gitarren-lastiger Rocknummern, aggressiver Emosongs und tiefsentimentaler balladesker Depri-Dark-Rockstücken bewegt. Der Sound des Trios mit 2 Gitarren prägt sich recht schnell als Bandtypisch ein und wird konsequent durch alle 13 Songs fortgeführt; bietet dadurch allerdings wenig Spielraum für akustische Experimente. Die beiden Frontmänner Hans und Jonas ergänzen sich gesanglich perfekt, von Hardcore-Screams bis Pop-Clear-Vocals können die beiden das ganze Repertoire sehr gut und authentisch transportieren.

Inhaltlich bieten 8KIDS alles, aber auf keinen Fall leichte Kost. In den Songs geht es um Verlust („Bordstein“), Selbstmord („Kann mich jemand hören“), verlorene Liebe („Zeit“), Ängsten usw. Die Texte sind wie die Themen auch nicht leicht zu verdauen, sprachlich teils sehr komplex, wenn nicht gar verworren… Das weckt bei mir Erinnerungen an die Hamburger Schule, also Bands wie TOCOTRONIC oder DIE STERNE, die mit ihren intellektuell überladenen Texten eigentlich gute Songs in die Unerträglichkeit getrieben haben. Ich wünsche mir, dass 8KIDS nicht ins Fahrwasser dieser pseudo-elitären Schwafler geraten und sich zukünftig eher klar ausdrücken. Klare Musik braucht klare Worte!

Zum Schluss, wie immer, meine Anspieltipps: der Powersong „Über den Berg“ und den Last-Track des Albums, die wunderschöne tiefsinnige Ballade „Winter in Dir“.

Fazit: Ein absolut gelungenes Debüt mit emotionalen Texten, tollen Melodien, verpackt in kompromisslose Dramatik gepaart mit theatralischer Intensität… großes Kino aus der hessischen Provinz!

Label: Napalm Records/Universal Music

VÖ: 26.05.2017

Länge: 52:43 Min.

Herkunft: Deutschland

Genre: Post-Hardcore

Formate: Digipack CD, 2LP Gatefold Vinyl

Homepage: www.facebook.com/8kidsofficial

 

8kids sind:

Hans Koch – Vocals & Guitar

Jonas Jakob – Vocals & Guitar

Emma McLellan – Drums

 

Album Tracklisting:

  1. Intro
  2. 02. Bordsteinrand
  3. 03. Über den Berg
  4. 04. Ich kann die Welt spüren
  5. 05. In den Sternen
  6. 06. Zeit
  7. 07. Zerbrechen
  8. 08. Blitzschlag
  9. 09. Geist
  10. 10. Kamintrophäe
  11. 11. Kann mich jemand hören
  12. 12. vis-à-vis
  13. 13. Winter in dir

 

8kids auf eigener „Denen die wir waren“ Headliner Tour (Support: Anorak)

30.05.17 DE – Köln / Sonic Ballroom

31.05.17 DE – Hamburg / Astra Stube

01.06.17 DE – Berlin / Maze

02.06.17 DE – München / Strom

03.06.17 DE – Essen / Weststadthall

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