DISTRESSED TO MARROW – “La Violencia”

DISTRESSED TO MARROW – “La Violencia”

📁 Reviews 🕔10.Januar 2018
DISTRESSED TO MARROW – “La Violencia”

DISTRESSED TO MARROW – “La Violencia”

Label: Eigenveröffentlichung

Laufzeit: 67:43 min

VÖ: 08.11.2017

Genre: Doom Death Metal als mächtige Symbiose aus Melodie und Brachialität

DISTRESSED TO MARROW spielen eine gut abgestimmte Mischung aus Death Metal und schwerem Doom (Und vorab: Die auch von der Band selbst genannten Referenzen Paradise Lost und Anathema treffen das Ganze recht gut.). Wenn man ihre von Besetzungswechseln gepflasterte Geschichte liest, verwundert mich das irgendwie auch nicht. So ist im Netz zu lesen, dass die Herren aktuell einen Schlagzeuger suchen. Ich hoffe sehr, sie stecken auch diesen erneuten Schicksalsschlag weg und haben bereits einen neuen Kesselverprügelungsmeister finden können.

Die Lieder sind lang, verdammt lang. Kein Stück bewegt sich unter 8 Minuten, und einmal wird die Marke von 12 Minuten gerissen. Dennoch gelingt es der Band, den Hörer stets bei der Stange halten, weil sie ihre düsteren Texte in spannenden und durchdachten Kompositionen verpacken, die grollend und schnaubend auf- und wieder abschwellen, muskulös pulsieren, sich ineinander verwinden und manchen Haken schlagen – um doch stets wieder zu ihrem Zentrum zurückfinden. Da beginnt „Right Foot Killer“ mit einem sanften Akustikmotiv, um dann wütend zu explodieren, da startet „Metric Medusa“ im Kriechgang, um einen dann als sich langsam erhebendes Monster zu verschlingen, da besinnt sich das eingängige Riff von „Lick My Bayonet“ schließlich zum Ende des Songs wieder organisch auf sich selbst. Als thematische wie künstlerische Klammer fungieren der erste und letzte Song „Violencia Is Born“ und „Violencia Is Dead“.

Kraftwerk des Ganzen ist ein treibendes und variantenreiches Schlagzeugspiel, das sich ebenso durch Tempoverschleppungen und Blastausbrüche wie passgenaue und originelle Rhythmiken mit Doublebass und Toms auszeichnet, ohne dabei zum reinen Selbstzweck zu verkommen. Mit einem tief drückenden Bass ergibt dies ein meterdickes Fundament für die Gitarren, die die Songs eisern und stoisch mit schweren Riffs vorantreiben, mal als breite getragene Gerölllawinen, mal als punktgenau abgestoppte Grooves. Darüber ergießen sich hochmelodiöse Leadgitarren, die im Schädel in singendem und klagendem Ton Landschaften voller Melancholie und Wehmütigkeit erstehen lassen. All dies unterstützt und veredelt schließlich Antonio Robinia mit seinem Organ, das sich zumeist als tiefes Growlen auf die Riffs stülpt und mit ihnen rhythmisch verzahnt. Das lässt die Musik noch massiger und kompakter wirken und verstärkt so die über weite Strecken aus ihr fließende depressive und schwermütige Stimmung. Dargebracht wird dies in einem stimmigen Klanggewand, das die Musik naturbelassen und dunkel präsentiert, dabei aber Instrumenten und Stimme jederzeit ausreichend Raum und Transparenz zugesteht.

Fazit: DISTRESSED TO MARROW legen mit „La Violencia“ ein Werk vor, das sich als mächtige Symbiose aus Melodie und Brachialität erweist. Sie beweisen dabei den Mut, Musik und Inhalt als zentnerschweren und beseelten Death Doom Metal zu präsentieren und den Hörer intensiv zu fordern. Macht Euch also auf, es lohnt sich!

 

Tracklist:

  1. Violencia Is Born (9:20)
  2. Absorbing Maggots (8:30)
  3. Phalance (10:45)
  4. Right Foot Killer (9:24)
  5. Metric Medusa (8:37)
  6. Lick My Bayonet (12:05)
  7. Violencia Is Dead (9:02)

(Quelle Bilder: facebook.com/Distressed-to-Marrow-210849182295530/)

 

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