Interview – EDGUY / Jens Ludwig am 20.09.2017, FFM – Batschkaspp

Interview – EDGUY / Jens Ludwig am 20.09.2017, FFM – Batschkaspp

📁 Allgemein, Interviews, Musik 🕔30.Oktober 2017
Interview – EDGUY /  Jens Ludwig am 20.09.2017, FFM – Batschkaspp

Mit „“Monuments“ haben EDGUY ein echt fettes „Best Of“ Paket abgeliefert, welches nicht nur Hardcore-Fans gefallen sollte sondern auch Neu-Interessierten einen nahezu kompletten Überblick über die Bandhits bietet, inklusive komplettes Konzert und Videoclip-Diskografie auf DVD. Passend zum 25.jährigen Bandjubiläum touren die Hessen derzeit um eine Live-Geburtstagsparty nach der anderen in ratz-fatz ausverkauften Locations abzuliefern und um auch natürlich die Compilation zu promoten. Genug Gründe, mal freundlich anzuklopfen um zu lauschen, was es zur Tour, zum Album, zur Vergangenheit und zur Zukunft zu sagen gibt. Für´s altbekannte Frage / Antwort-Spiel gesellte sich diesmal Gitarrist Jens Ludwig backstage zu mir…

MG:

Hi Jens, wir sprachen das letzte Mal in Berlin, 2011, und seitdem ist ja nicht nur bei mir, sondern auch bei Euch so einiges passiert… Grundsätzlich sind es inzwischen 2,5 Dekaden EDGUY, mehr „Up´s“ als „Down´s“ oder wie seht Ihr das?

Jens Ludwig:

Auf jeden Fall eine wilde Reise, mit mehr Höhen als Tiefs, keine Frage. Die meiste Zeit ging es stetig bergauf und wir sind im großen und ganzen happy darüber, was wir bisher geschafft haben. Jetzt, im Zuge der Zusammenstellung für die „Best Of“ hat man noch mal vor Augen geführt bekommen, was man mit der Band schon alles erlebt hat und das ist eine gute Sache.

MG:

Gibt es Band-intern ´ne Art Best-Of Charts, „was war besonders geil und was war nicht so prall“?

Jens Ludwig:

Ich denke, da hat jeder so seine ganz eigenen Vorstellungen und Vorlieben. Ich zum Beispiel, finde die „Hellfire Club“ Platte sehr geil, Tobi steht eher auf die „Rocket Ride“,…da hat wirklich jeder seine ganz eigenen Meinungen. Highlights für mich waren alle Dinge, die wir das erste Mal gemacht haben. Das erste Mal generell auf Tour, das erste Mal auf Headliner-Tour, das erste Mal auf Welt-Tour,…die ganz besonderen Dinge die sich so eingebrannt haben. In China / Asien unterwegs…solche Sachen begleiten Dich ein Leben lang. Ich denke, ohne diese Kapelle, hätte ich viele Orte dieser Welt nicht gesehen.

MG:

Gibt es denn noch Orte, Länder, Plätze, Locations, die bei Euch auf der Tour-Wunschliste ganz oben unerfüllt stehen?

Jens Ludwig:

Also irgendwas mit Karibik fände ich ganz schön… auch so´n persönliches Ding. Ich hätte mal wieder Bock in den USA zu spielen, da waren wir schon lange nicht mehr. Ansonsten schauen wir mal, was sich so anbietet.

MG:

Ihr seid eine Band mit vorbildlicher Bandkonstellation, sprich: konstante Besetzung, während es manche Musikerkollegen keine 2,5 Wochen miteinander aushalten. Was ist Euer Rezept?

Jens Ludwig:

Es hat einfach gepasst. Wir sind unterschiedliche Charaktere und natürlich gibt es auch unterschiedliche Meinungen doch sind wir alle erwachsen und können reden, miteinander über alles sprechen. Wir fühlen uns alle auf unsere Posten wohl und natürlich muß man auch mal etwas Platz für einen Frontmann wie Tobi machen doch wir haben alle unseren Raum gefunden und fühlen uns wohl, ohne uns dabei auf den Schlips getreten zu fühlen.

MG:

Ihr wirkt auf der Bühne wie eine geschlossene Einheit, ohne großes Ego-Rockstar-Gepose (sieht man mal von diversen Show-Elementen ab). Teilweise immer noch wie eine Jugendband mit Schalk im Nacken…

Jens Ludwig:

Ja, besonders Jugendband gefällt, hahaha… Wir haben einfach Spaß an der Sache und brauchen das aufgeblähte nicht. Wir können uns schon das ein und andere leisten aber wirklich Luxus-Rock´n´Roll Life ist nicht unser Ding.

MG:

Die Renten sind also sicher und Ihr könnt von der Musik leben oder fahrt Ihr wie manch Kollege auch nebenbei Pizza aus, gebt Musik-Unterricht oder geht gar ganz bürgerlichen Berufen nach?

Jens Ludwig:

Nun ja, Pizza ausfahren nicht, doch haben wir noch jeder andere Projekte am laufen, weil wir AVANTASIA-bedingt zwischendurch ziemlich lange Pausen haben und da ist klar, dass sich jeder irgendwie ein 2. Standbein erarbeitet hat und die Zeit auch nutzt, wenn Tobi unterwegs ist. Eggi zum Beispiel, ist so ein bißchen in die Tourbetreuung gegangen, Dirk macht etwas ähnliches, ich spiele in einer Coverband,…in meinem Studio zuhause mache ich auch sehr viel, das läuft alles ganz gut so. Wir sehen schon zu, dass wir beschäfigt sind.

 

MG:

Ihr seid jetzt knapp 3 Wochen auf Tour, wie verläuft sie aus Eurer Sicht?

Jens Ludwig:

Einfach super, der absolute Oberknaller. Hamburg war ausverkauft, Bremen war volle Hütte, Bochum war aus ausverkauft, die Stimmung war gigantisch im Publikum und wir waren echt erstaunt, wie gut das alles läuft. Heute Abend wird es auch gleich ausverkauft sein, es gibt noch knapp 30 Tickets an der Abendkasse…es sind schon 8 oder 9 Shows ausverkauft, da kann man doch echt nicht meckern. Und wenn wir alle gesund bleiben, dann wird das unsere gigantomanischste Tour bis dato!

MG:

Wie läuft´s mit dem Support THE UNITY?

Jens Ludwig:

Auch einfach super. Henjo kennen wir jetzt schon eine ganze Weile, Micha kennen wir auch von Gamma Ray und der Rest sind auch ein paar spaßige Kerle. Kein Stress, ist so´n bißchen wie Klassentreffen.

MG:

Wie sieht denn Eure Setlist aus? Ihr habt ja einen recht fetten Fundus und zieht ihr diese auch auf der Tour durch oder variiert Ihr auch die Songauswahl? Irgendwas noch nie gespieltes, für die langjährigen Fans ein paar Stücke aus der frühen Phase, ein paar neue Stücke?

Jens Ludwig:

Das ist komisch, von den neuen Stücken spielen wir gar nichts, ich weiß auch nicht wieso…wir haben die Setlist von den Festivals übernommen weil die sich richtig angefühlt hat. Wir hatten zwar was neues vorbereitet aber das ist noch nicht fertig…dafür haben wir einen Song dabei, den wir seit knapp 10 Jahren nicht mehr gespielt haben, ein sehr langes Stück was auch schon lange nicht mehr live gespielt wurde…bis jetzt wurde alles zufrieden aufgenommen.

MG:

Welche lange Nummer?

Jens Ludwig:

„The Piper Never Dies“

MG:

Sehr schön, wobei ich gehofft habe, „Jerusalem“ zu hören. DAS habt Ihr schon lange nicht mehr gespielt.

Jens Ludwig:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir den noch nie live gespielt haben.

MG:

Schade eigentlich, ein weiteres Highlight auf dem „Mandrake“ Album… Und es wird nicht ein einziger neuer Song gespielt, habe ich das richtig verstanden?

Jens Ludwig:

Ja.

MG:

Wer übernahm denn nun die Songauswahl für die aktuelle, übrigens sehr feine Werkschau „Monuments“?

Jens Ludwig:

Tobi traf eine Vorauswahl, die Plattenfirma hatte auch noch Ideen…wir gaben auch noch Vorschläge dazu…letztendlich ist eine Best-Of zusammenstellen ähnlich wie eine Setlist erstellen. Es wird immer einen Song geben, der von jemanden vermisst wird, usw. Mir gefällt besonders gut, dass wir auch ein paar Songs von den EP´s dabei haben, die haben ja oft so ´nen schlechten Ruf. Zum Beispiel „Judas At The Opera“, „Holy Water“, „Painting On The Wall“,…

MG:

Habt Ihr bei der Zusammenstellung die Überschneidungen zu den bereits bestehenden Compilations komplett ausgeblendet, war Euch das egal?

Jens Ludwig:

Ja, das war uns egal. Es gibt Songs, die müssen einfach sein, wenn man von einer „Best Of“ spricht. Ich kann „Tears Of A Mandrake“ nicht ignorieren, weil er vllt. schon mal auf ´ner Live-Platte war. Das ist zum Beispiel ein Song, denn wir alle für eines unserer besten Sachen unserer 25jährigen Karriere halten.

MG:

Der limitierten Edition liegt ein Bildband bei, woher stammen all diese Bilder?

Jens Ludwig:

Das ist eine Mischung aus dem privaten Fundus, Pressefotos, bereits genutzte und ungenutzte Promofotos, doch der Großteil stammt aus privaten Alben. Siehe die Schnappschüsse, und so weiter.

MG:

Auf dem Album befinden sich 5 neue Songs…

Jens Ludwig:

…und alle sind für dieses Album enstanden. „Reborn In The Waste“ enstand bereits 1995 und war für „Savage Poetry“ gedacht, wurde aber wieder verworfen weil wir vergessen haben, die Gitarren für´s Intro aufzunehmen, die haben gefehlt. Der ist dann irgendwie in den Jahren verloren gegangen und im Zuge der „Best Of“ haben wir den rausgekramt, als kleine Randnotiz, dass wir nicht immer so gut an unseren Instrumenten waren, hahaha…Auf so einer Zusammenstellung kann man das machen, gehört ja zweifelsohne auch zu unserem Fundus und ist auch kein schlechter Song.

MG:

Jepp, das kann ich so stehen lassen. Zu den beiden mit EDGUY-Hits vollgepackten Audio-CD´s gesellt sich noch eine DVD mit dem kompletten Gig Sao Paulo 2004 sowie eine komplette Videoclip-Diskographie. Kann es sein, dass ich einige Song-Clips der Live-DVD (im Stil eines sehr guten Bootlegs) bereits von der „Superheroes“-DVD kenne?

Jens Ludwig:

Da hast du aber sowas von recht. Ich weiß auch wirklich nicht mehr, warum wir uns damals entschieden haben das Konzert nicht zu veröffentlichen, bzw. die DVD Produktion immer weiter nach hinten verschoben haben. Es hat aber Spaß gemacht, sich die Show nochmal anzusehen und deshalb haben wir sie auch komplett auf „Monuments“ gepackt. Es ist halt nicht so eine poplig dahingerotzte Best-Of Zusammenstellung sondern hier wurden sich echt viele Gedanken gemacht, soviel wie möglich zu bieten und vor allem: für jeden etwas zu bieten. Egal ob alte Fans oder neue Fans, Jäger und Sammler, Neu-Einsteiger,…usw.

MG:

Auch das kann ich nur bestätigen und ist auch für alle in meinem Albumreview nachlesbar ( → Link). Mal ´ne grundsätzliche Frage zum EDGUY Sound: Eure Musik kann (zum Glück) nicht nur mit einem Genre beschrieben werden, Ihr spielt von Rock, Hard Rock, Heavy Rock, Metal, Heavy Metal, Power Metal alles, was auch noch „melodic“ ins Ohr geht. Wer ist denn bei Euch für die verschiedenen Einflüsse auf den Bandsound verantwortlich?

Jens Ludwig:

Ohje…das kann man so eigentlich gar nicht sagen. Unsere Geschmäcker sind alle weitreichend verschieden… Der Großteil der Grundideen kommt von Tobi; manche Sachen produziert er gern mit Sascha Paeth vor, manche Sachen arbeiten wir im Proberaum aus…es gibt da wirklich kein Patent, wer da mit welchem Stil um die Ecke kommt.

MG:

Ihr sitzt heutzutage noch im Proberaum zusammen? Das finde ich sehr gut, passt auch zur vorhin erwähnten Jungband-Romantik, hahaha…

Jens Ludwig:

Tatsächlich arbeiten wir recht zielorientiert. Wenn Touren oder Album-Aufnahmen anstehen, treffen wir uns natürlich intensiv regelmäßig. Es ist aber nicht so, dass wir uns uns grundsätzlich 1x die Woche treffen oder so…natürlich machen wir auch daheim Musik und tauschen uns vorab aus, damit es es dann bei Treffen eigentlich sofort und bestens vorbereitet losgehen kann.

MG:

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast. Gibt es denn in Punkto Zukunft schon irgendwas aus dem Nähkästchen zu plaudern, gibt es schon Pläne für´s kommende Album?

Jens Ludwig:

Nein, überhaupt nicht. Wir bringen jetzt die Tour zu Ende und dann setzen wir uns zusammen und schauen mal, wie es weiter geht.

MG:

Wir sind gespannt, auf die nächsten (mindestens) 25 Jahre EDGUY!

Jens Ludwig:

Ich danke Dir, genieße das Konzert, Du wirst es nicht bereuen. Wir sind auch alle etwas besser seit 2011 geworden, hahaha…

Dann mal ab zur Bühne…

 

 

Hier geht es zum Live-Review: → http://metalglory.com/live-review-edguy-specialguest-unity-19-09-2017-ffm-batschkapp/

Hier geht es zu den Live-Bilder Galerien von:

THE UNITY → http://metalglory.com/gallery/unity-20-09-2017-ffm-batschkapp/

EDGUY → http://metalglory.com/gallery/edguy-20-09-2017-ffm-batschkapp/

Album-Review EDGUY „Monuments“: → http://metalglory.com/edguy-de-monuments-2cd-dvd/

 

www.metalglory.com bedankt sich bei m2 Mediaconsulting, Nuclear Blast sowie bei EDGUY /THE UNITY und der Frankfurter Batschkapp.

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