EWIG.ENDLICH – „Auf Grund“

EWIG.ENDLICH – „Auf Grund“

📁 Reviews 🕔12.April 2018
EWIG.ENDLICH – „Auf Grund“

EWIG.ENDLICH – „Auf Grund“

Label: Dedication Records / Wooaaargh

Laufzeit: 36:30 min

VÖ: 13.04.2018

Genre: intensiver Post Hardcore Metal mit feiner Black-Patina

EWIG.ENDLICH sind eine deutsche Band, die mit „Auf Grund“ ein wirklich überzeugendes, mitreißendes, intensives Debüt vorlegen.

Zu hören gibt es eine Mischung aus Hardcore und Metal, die auch gerne mal über den Tellerrand in die Bereiche Black Metal, Sludge und Doom hineinschielt, vor allem aber mit stolz geschwellter Brust und gesundem Selbstbewusstsein ein sehr großes Post vor sich her trägt. Man merkt zu jeder Sekunde und in jedem Ton, dass sich EWIG.ENDLICH in diesem Bereich sauwohl fühlen und die Fähigkeit mit der Muttermilch aufgesogen haben, für Post Metal typische und relevante Lieder zu komponieren und diese mit Verve und Leidenschaft zum Leben zu erwecken.

Das beginnt beim Sound und dem Agieren der fünf Herren. Die Musik strömt luftig, weit und hell aus den Boxen und pulsiert so kompakt wie filigran. Alle Instrumente erhalten Raum zur Entfaltung und sind klar voneinander separiert. Das braucht es auch, um die vielen Details im gekonnten und emotionalen Spiel von Schlagzeug, Bass und Gitarren zu erhören. Und hier passiert an jeder Ecke verdammt viel, eigenständiges, wunderbar packendes. Das Schlagzeug kann schnell, treiben, hasten, rhythmische Figuren zelebrieren, vor allem aber kann es grooven wie die ganz Großen. Schwer schieben, über schmutzstarrenden Beton schleifen, stoisch und kraftvoll. Der Bass trägt pumpend und macht sich stets bemerkbar – so muss das. Und dann sind da diese Gitarren. Die machen EWIG.ENDLICH zu dem, was es ist. Da sind diese Black Metal Riffs und Melodien, dieses Flirren, hektische Hasten, hypnotische Repetieren, diese fein ziselierten Melodien voller Trauer, Tragik und Wahn. Und da sind diese tonnenschweren Lautgebirge, Riffmassive, die sich erheben, massig und schwer. Und dann kommt da noch Herr Simon am Gesang. Der zeigt passend zum großen Post ein eindringliches Aggro-Kreischen, manisch, nervenzerrend, impulsiv. Das hält die Lieder zusammen und fügt sich perfekt ein in die düstere und intensive Grundstimmung und den Tenor der deutschen Texte (Unbedingt in Ruhe durchlesen, es lohnt sich!), ich hätte mir allerdings mal ein überraschendes Moment gewünscht.

Aus all diesen wunderbaren Zutaten kreieren EWIG.ENDLICH tolle Lieder. Schon der Beginn mit „Menschenkind“ nimmt uns mit auf eine emotionale und eindringliche Reise: zuerst eine langsame und feine Melodie, dann diese Steigerung, bevor der Song in einer Raserei explodiert. Und es beweist verdammt viel Mut, mit einem Brocken von fast 9 Minuten ein Album zu beginnen. Chapeau! Mir gefallen am besten die langen Songs, neben „Menschenkind“ vor allem „Abend“ und „Limes“, in denen sich die Dynamik und Ambivalenz zwischen schwerem Hardcore, Doom, Sludge und Black Metal Eruptionen am besten in stetiger Entschlossenheit aufbauen und dann brachial entladen kann. In diesen Momenten entführen uns EWIG.ENDLICH in einen Mahlstrom aus Energie, Intensität und Seele, in der trotz aller Wut und Trauer auch stets Hoffnung zu spüren ist. Damit gelingt es ihnen, die Lieder stets kurzweilig und abwechslungsreich zu halten.

Fazit: EWIG.ENDLICH erobern sich bereits mit ihrem Debüt „Auf Grund“ einen verdienten Platz an der Spitze der weiten feldes zwischen Post Hardcore Sludge Doom Black Metal. Das hier ist intensive, fordernde, hoch emotionale Musik, gegossen in Lieder voller Eruptionen, dunkler Energie und intelligenter Texte. Hier braucht es die Bereitschaft und die Gabe, sich vorbehaltlos tief hineinfallen zu lassen in einen intensiven Abgrund, aber das wird in jeder Sekunde belohnt mit wunderbarer Musik! Wer Bands wie Deafheaven, Omega Massif, Downfall of Gaia und Alcest mag, der wird EWIG.ENDLICH lieben.

Tracklist

1. Menschenkind (8:37)
2. In Anderen Spiegeln (4:11)
3. Limes (6:56)
4. Bekenntnis (5:34)
5. Schwarz Und Stern (8:12)
6. Neon Und Asphalt (4:50)
7. Abend (7:30)
8. Morgen (1:58)
9. Dir (7:07)

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