Gov’t Mule, 02.11.2017, Fabrik, Hamburg

Gov’t Mule, 02.11.2017, Fabrik, Hamburg

📁 Allgemein, Live, Musik 🕔06.November 2017
Gov’t Mule, 02.11.2017, Fabrik, Hamburg

Wenn die inzwischen selber zur Legende gewordene Jam Rock Maschine in deutschen Clubs ihr Unwesen treibt, sind diese Shows zumeist recht schnell ausverkauft. Auch die Show in der altehrwürdigen Fabrik in Hamburg Altona war an diesem Donnerstag Abend restlos ausverkauft. Langhaarige Hippies und junggebliebene Rocker trafen dabei auf einen erstaunlich hohen Anteil an Frauen, was ansonsten bei dieser Art der Musik eher seltener vorkommt. Umso schöner zu sehen, dass die Band um Mastermind Warren Haynes auch inzwischen massenkompatibel geworden ist und das trotz einer manchmal recht langen Ausdehnung ihrer Songs.

Warum man allerdings an einem Donnerstag eine Show erst um 21 Uhr beginnen lassen muss, ist mir persönlich unverständlich und so zogen doch einige Zuschauer bereits nach dem ersten Set wieder ihre Bahnen, schließlich war Freitag ja noch ein Arbeitstag. Kurz nach 21 Uhr ging es dann los. Ziemlich unspektakulär, kein großes Brimborium, Licht aus und vier Musiker betreten die Bühne. Noch kurz die Instrumente überprüfen und schon startet die Band mit „Stone Cold Rage“ aus dem aktuellen Album „Revolution Come… Revolution Go“. Bereits jetzt wird klar, dass die Band ihren Stiefel durchzieht und man merkt ihnen an, dass sich im Laufe der Jahre eine gewisse Routine eingeschlichen hat, denn trotz der grandiosen instrumentalen Einlagen und dem fantastischen Gesang von Warren, wirkt die Band ein wenig seelenlos. Zwischendurch kommt sogar ein klein wenig Langeweile auf, was nicht nur von mir so empfunden wurde. Doch natürlich ist das meckern auf extrem hohem Niveau, denn dass die Band hier nicht zum Teenie-Tanz-Vergnügen aufspielt, ist klar und so sieht man dann auch immer wieder verzückte Gesichter, die sich voll und ganz dem Spiel des Meisters Haynes hingeben. Eine gut geölte Maschine, die mit ihren Songs auch emotionale Tiefe erreicht und dabei authentisch wirkt.

Nach knapp 60 Minuten folgt eine Pause, was einerseits der Show an sich ein wenig die Fahrt nimmt, andererseits aber eben dazu beiträgt, dass man mal kurz Luft schnappen kann, um sich dann erneut dem vorzüglichen Spiel der Band zu widmen. Haynes, Abts und Co. grooven, feiern lange, orgiastische Soloeskapaden und lassen dabei irgendwie den eigentlichen Jam vermissen. Das perfekte Zusammenspiel vermittelt den Eindruck, dass hier alles nach Plan abläuft, alles in seinen vorgefertigten Bahnen stattfindet.

Das zweite Set beginnt dann mit dem herrlichen „Thorazine Shuffle“ aus dem Meisterwerk „Dose“, ihrem zweiten Studioalbum, gefolgt von einer grandiosen Version von „Funny Little Tragedy“ vom 2013er Werk „Shout!“. Doch Gov’t Mule wäre nicht Gov’t Mule, wenn sie nicht auch fremdes Material zu ihrem eigenen machen würde und so gibt es insgesamt 5 Coversongs, denen es die Band versteht ihren ganz eigenen Stempel aufzudrücken.

Auch wenn sich die bereits erwähnte Routine in den Wirkungsgrad nach 20 Jahren eingeschlichen zu haben scheint, ist die Band doch immer noch weit davon entfernt ihre Fans zu enttäuschen. Dass die Spiellaune dann auch mal ein klein wenig auf der Strecke bleibt, ist durchaus verständlich und nachvollziehbar. Solange sie ihren Fans geben was sie verlangen und solange sie noch immer aus dem Herzen musizieren, kann man mit dem Besuch einer Show des Mulis einfach nichts falsch machen. Rundum glückliche Gesichter werden dann auch in die Nacht von Hamburg entlassen, prall gefüllt mit Eindrücken eines routinierten Konzerts.

 

Zu den Bilder der Show: http://metalglory.com/gallery/govt-mule-revolution-come-revolution-go-tour-2017-live-fabrik-hamburg/

 

Setliste:

Set 1:

  • –          Stone Cold Rage
  • –          Drawn That Way
  • –          Larger Than Life
  • –          Sco-Mule
  • –          Travelling Tune
  • –          Forsaken Savior
  • –          Revolution Come, Revolution Go
  • –          She Said, She Said (The Beatles Cover)
  • Set 2:
  • –          Thorazine Shuffle
  • –          Funny Little Tragedy
  • –          I’ll Be Creepin’ (Free Cover)
  • –          Just Got Paid (ZZ Top Cover)
  • –          Lively Up Yourself (Bob Marley & The Wailers Cover)
  • –          Fallen Down
  • –          Dark Was The Night, Cold Was The Ground (Blind Willie Johnson Cover)
  • –          I’m A Ram (Al Green Cover)
  • Encore:
  • –          Banks Of The Deep End
  • –          New World Blues
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