Kiss & Raveneye, 12.05.2017, Westfalenhalle 1, Dortmund

Kiss & Raveneye, 12.05.2017, Westfalenhalle 1, Dortmund

📁 Allgemein, Live, Musik, Tipp der Redaktion 🕔14.Mai 2017
Kiss & Raveneye, 12.05.2017, Westfalenhalle 1, Dortmund

 

Alle Jahre wieder kehren die Schminkrocker nach Europa und speziell Deutschland zurück. Was auch kein Wunder ist, schließlich kann Paul Stanley auf seine deutschen Wurzeln verweisen. Aber besonders Gene hat eine besondere Beziehung zu Deutschland, kamen doch viele seiner Verwandten in deutschen Konzentrationslagern ums Leben. Umso mehr unverständlich, dass der Schriftzug nach wie vor in Deutschland verboten ist, wenn auch bei weitem nicht mehr so streng geahndet wird wie einst. Doch das wichtigste einer Kiss-Show ist die Musik und natürlich die überdimensionierten, manchmal an einen Kindheitstraum erinnernden, ausufernden Pyros nebst sensationeller Light-Show. Alles das gab es auch am Freitag in Dortmund. Die Halle, bis auf den letzten der 12.000 Plätze ausverkauft, erlebte dann aber erstmal einen grandiosen Support in Form von der jungen und frischen britischen Band RavenEye.

Raveneye 01

Ungestüm, wild und technisch versiert standen die drei Musiker auf der Bühne und schafften es mit ihrem stark an die siebziger Jahren angelehnten Sound die Fans auf ihre Seite zu ziehen. Vor allem Frontmann, Gitarrist und Sänger Oli Brown verstand es mit seinem Spiel die Halle fast zum Beben zu bringen. Groove und Authentizität gepaart mit Ausdruckskraft und fleißiger Arbeit ließ die Meute zu Begeisterungsstürmen hinreißen, was auch kein Wunder war. Wann hat man schon mal die Möglichkeit eine solch außergewöhnliche Band in diesem Rahmen erleben zu dürfen. RavenEye nutzten ihre Chance, trumpften auf mit bluesigen Hardrock-Sounds und Oli ließ es sich nicht nehmen einen Ritt auf Bassmann Aaron Spiers spielend über die Bühne vorzunehmen. Auch die Bass-Drums von Adam Breeze mussten für Olis Turnakrobatik herhalten. Sicherlich einzigartig in der heutigen Musiklandschaft.

Raveneye 07

Doch die 12.000 warteten natürlich auf ihre Helden, was auch angesichts der vielen Geschminkten klar war. Eltern mit ihrem Nachwuchs, Großeltern und natürlich die Fans, die mit ihrer Band in die Jahre gekommen sind, waren hier vertreten.

 

Wie bereits gewohnt, erklang als Intro Led Zeppelins „Rock & Roll“ bevor die Band aus dicken Nebelschwaden erschien und mit „Deuce“ von Anfang an klar stellte, wer der Platzhirsch ist. Das Posing der Herren Stanley und Simmons kennt man ja bereits seit Jahrzehnten, stellten sich den Fotografen, lieferten ihren Fans alles was sie verlangten und eine Show der, ähm, Schockrocker ausmacht. Flammensäulen schießen neben Eric Singer in die Höhe, Gene schlabbert mit seiner Zunge und Paul post was das Zeug hält. Dass alles nur eine riesige Show ist, die an Kindergeburtstag erinnert, kennt man bereits. Auch die immer noch große Klappe von Paul Stanley bei seinen Ansagen ist schon lange nichts neues mehr. Man kennt die Zutaten einer Kiss-Show, kann sich nur nicht mehr erinnern bei welchem Song welche Showeinlage kommt.

Kiss 06

Die Band legt sich mächtig ins Zeug – „Lick It Up“ mit Feuerfontänen, die bis in die hintersten Reihen ihre Hitze ausstrahlen. Die Kiss-Hymne schlechthin „I Love It Loud“ dröhnt durch die Halle, die diesmal erstaunlich gut beschallt wurde und so manch schwache Leistung der Sound-Engineers anderer Bands in dieser Halle vergessen lässt. Klar und präzise ist alles deutlich zu vernehmen, was in der Westfalenhalle nicht immer so ist. Mit „Firehouse“, „Shock Me“ (stark an Ace Frehleys Gesang erinnernd und famos intoniert von Tommy Thayer), das anschließende, eigentlich unspektakuläre Gitarren Solo mit Böllern aus der Gitarre und „Flaming Youth“ ging es weiter, bis dann Gene endlich zu seinem belanglosen Bass Solo ansetzte, das musikalisch betrachtet nichts zu bieten hat, doch alleine durch die Präsenz des Mannes und natürlich sein Blutgeschlabbere mit Leben gefüllt wird. Hoch unter der Decke auf einem Podest spielend kam, na logisch, „God Of Thunder“ – schon eine gefühlte Ewigkeit der Song, der dieses Spektatkel begleitet.

Kiss 11

Tommy Thayer schien in diesem ganzen Getöse fast ein wenig unterzugehen in seinem glitzernden Ganzkörperanzug, der ja schon seit Jahren die musikalische Seite von Kiss darstellt und mit seinen pfeilschnellen Soli brillieren kann. Wie kann man auch gegen Medien- und Bühnenprofis wie Stanley und Simmons anders anstinken als durch Musikalität und spielerisches Geschick?

Kiss 17

Die Party geht weiter mit „Psycho Circus“, einer der größten Hits der Band schlechthin, zu dem Stanley über die Köpfe der Fans hinweg zu einem Podest in der Mitte der Menge getragen wird. Doch vorher muss die Meute ihn dazu auffordern, er buhlt um das Publikum, will sich mit „Paul, Paul“ animieren lassen, skandiert mit hoher, spitzer Stimme, die sich immer wieder zu überschlagen scheint, dass er Deutschland und seine Höflichkeit kennt, schließlich stammt seine Mutter aus diesem Land. Mit dem Stampfer und rollenden Ungetüm „Warmachine“ und „Say Yeah“, einem Song aus dem Album „Sonic Boom“ gab es zuvor noch zwei weitere Kracher, die das Fanherz höher schlagen ließen. Mit „Black Diamond“ bog die Band dann langsam in die Zielgerade ein, bevor bei dem obligatorischen Finalsong „Rock And Roll All Nite“ aus allen Rohren gefeuert wurde. Papierschnipsel und Girlanden tauchten die Halle in ein buntes Meer, Simmons und Thayer schwebten in zwei Kränen über den Fans, während Stanley auf der Bühne seine Gitarre zerschmetterte.

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Der Zugabenblock wurde eröffnet mit einem riesigen „Happy Birthday“ für Drummer Eric Singer, der an diesem Tag seinen 59. Geburtstag feiern durfte. Aus 12.000 Mündern schallte es durch die Halle, bevor mit „I Was Made For Loving You“ der größte Hit der Band durchs Hallenrund erschallte. „Detroit Rock City“, einer DER Klassiker der New Yorker beendete dann schließlich das zweistündige Konzert und mit „God Gave Rock and Roll To You II“ (vom Band) wurden die Fans in die angenehme Nachluft Dortmunds entlassen.

 

Kiss haben nach ihrer letztjährigen Absage aufgrund der unsicheren Zustände in Europa fulminant abgeliefert und ihren Fans eine Show der Extraklasse geboten. „You Wanted The Best You Got The Best. The Hottest Band In The World: KISS!!!!!“

 

Zu den Bilder der Show: http://metalglory.com/gallery/kiss-raveneye-12-05-2017-westfalenhalle-1-dortmund/

 

Setliste:

  • –          Rock & Roll (Intro, Led Zeppelin)
  • –          Deuce
  • –          Shout It Out Loud
  • –          Lick It Up
  • –          I Love It Loud
  • –          Firehouse
  • –          Shock Me
  • –          Guitar Solo
  • –          Flaming Youth
  • –          Bass Solo
  • –          God Of Thunder
  • –          Crazy Crazy Nights
  • –          War Machine
  • –          Say Yeah
  • –          Psycho Circus
  • –          Black Diamond
  • –          Rock And Roll All Night
  • Encore:
  • –          I Was Made For Loving You
  • –          Detroit Rock City
  • –          God Gave Rock And Roll To You II (Outro)
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