KLASSIKER: Vader „XXV-Anniversary Show“ in Warschau, Stodola am 30.08.2008

KLASSIKER: Vader „XXV-Anniversary Show“ in Warschau, Stodola am 30.08.2008

📁 Live 🕔20.Oktober 2017
KLASSIKER: Vader „XXV-Anniversary Show“ in Warschau, Stodola am 30.08.2008

…unter dem Oberbegriff „Klassiker“ möchte ich euch ein paar Interviews, Live-Reviews sowie CD/DVD-Reviews aus den vergangenen metalglory.de-Zeiten (since 1998!) „neu“ hier bei metalglory.com präsentieren.
(Bis dato sind diese Veröffentlichungen nur im sogenannten Archiv von metalglory.de einzusehen gewesen.)

…anfangen möchte ich mit dem Livebericht der  Feier zum 25jährigen VADER-Jubiläum in Warschau.

 


 

Das schöne an einem Bericht über ein einzigartiges und einmaliges Topereignis des Jahres 2008 in der Death Metal Szene, also diesem „XXV Anniversary“ einer Kultband ist, dass es eigentlich vollkommen egal ist was man dazu verfasst. Wenn man nicht dabei gewesen ist, kann man es sowieso nicht nachvollziehen. – Es war nämlich genial, man muss so etwas selbst erlebt haben.
Wenn man sich das Aufgebot dieses Jubiläums ansah, zu dem die polnische Death Metal (Panzer)Legende eingeladen hatte, war allein ein Garant dafür sich als wahrhafter Fan den Reisestrapazen nach Warschau zu stellen. Kein Wunder, dass diese Show Monate vorher ausverkauft gewesen war. Dabei hätte allein schon der Huptact gereicht, um sich diesem besonderen „Geburtstag“ zu widmen. Zumal mal an dieser Stelle erwähnen muss, dass es auch der erste Gig von Reyash (Supreme Lord) am Bass in Warschau und gleichzeitig der letzte Gig von Mauser (Gitarre) und Daray (Schlagzeug) unter dem Banner VADER gewesen ist.

 

Doch langsam. Es fing nämlich nicht alles so genial an.
Aufgrund der erwähnten Strapazen mit Verspätungen der herkömmlichen Züge und einem völlig düsteren, verdreckten usw. Hauptbahnhof einer europäischen Hauptstadt (peinliche, wie die Polen solch einen Bahnhof den Reisenden bieten können!), kam ich, übrigens mit einem guten Kollegen „Emilio“ aus alten Zeiten in Hannover, etwas verspätet am Klub Stodola an. Daher habe ich leider Grave mit ihrer Performance von u.a. Into the Grave, Turning Black, A World in Darkness, You’ll never See, Soullless verpasst. Und leider bloß den letzten Song von Rotting Christ am Eingang mitbekommen. Die Griechen sollen u.a. The Sign of Prime Creation, Athanatoi Este, Enuma Elish, Non Serviam ganz gut präsentiert haben.
Alle „Special Guests“ hatten die gleiche Spielzeit zur Verfügung, womit gewährleistet worden war, dass es eigentlich egal ist, wer wann auf die Bühne darf. Auch wenn man zugeben muss, dass es für eine Band wie Grave bestimmt nicht einfach war gegen 12 Uhr auf die Bühne zu müssen. Planmäßig sah das wie folgt aus:

12:00 – 12:40 Grave,
13:00 – 13:40 Rotting Christ,
14:00 – 14:40 Dismember,
15:00 – 15:40 Gorefest,
16:00 – 16:40 Marduk,
17:00 – 17:40 Nile,
18:00 – 18:40 Entombed,
19:00 – 19:40 Samael
und
20:30 – 22:30 Vader

 

 

Mit DISMEMBER gab es für mich dann schon einen der Gewinner dieses Tages, wenn man überhaupt von einem solchen „Resümee“ des Tages reden darf. Dismember sind abgegangen wie sau; die langjährige Tourerfahrung zahlt sich doch aus. Ein genialer Gig, der sowohl mit alten als auch jüngeren Tracks vollgestopft war. Und es zeigte sich sofort, dass bei solcher Qualität die 40 Minuten viel zu kurz sind. Auszug der Tracklist: Skinfather, Death Conquers All, Pieces, Casket Garden, Dreaming in Red, Dismembered, Tide of Blood, Under a Bloodred Skies.

Diese Qualität wurde in der Performance als auch der Songauswahl von den Holländern GOREFEST so gut wie überboten. OK, sie waren gleich gut; von wegen Resümee ziehen. Aber wirklich hier stimmte fast alles, auch wenn der Sound nicht immer der Beste gewesen ist, so war das Stageacting und das Licht einfach der Hammer. Diese Typen sind auf einander eingespielt, als ob sie nie weg gewesen wären. Genau so muss ein Gig aussehen. Das nenne ich „Special Guest“ Special Guest (Tracklistauszug: The Glorious Dead, Horrors in a Retarded Mind, For the Masses, Revolt, To Hell and Back, Get-a-Life, State of Mind, als auch natürlich REALITY – WHEN YOU DIE !!!).

Diese gute Laune wurde mir persönlich jedoch mit den Black Metallern von MARDUK ein bissl getrübt. Ich kann einfach mit dieser Art des sinnlosen Geknüppels nichts anfangen. Doch man soll ja objektiv bleiben, auch wenn es sowieso immer subjektiv wahrgenommen wird. Trotzdem, diese Band hat hier wenig für eine überzeugende Liveperformance geboten. Ein paar freudestrahlende Fans wurden zwar gesichtet, aber so richtig überzeugend schien das Ganze nicht zu sein. Na ja, die Freaks werden sowieso sagen, dass dies ein cooler Gig mit Songs wie – Panzer Division Marduk, To The Deaths Head True, The Levelling Dust, Warschau, Of Hell’s Fire, Wolves, Materialized in Stone – gewesen ist.

Und NILE mit ihren ägyptischen Geschichten hatten auch nicht den besten Tag erwischt, um sich einem großen Publikum zu zeigen. Auch wenn sich die Setlist mit Songs wie – Cast Down The Heretic, Ithyphallic, Sarcophagous, Annihilation Of The Wicked, Lashed To The Slave Stick, Black Seeds Of Vengeance- wie das Sahnestückchen auf dem besten Geburtstagskuchen liest, umso enttäuschender war der Sound als auch die Lichtshow der Vorstellung. Von allen etwas zu wenig, um sich hier zu behaupten.
Jedoch hat selbst dadurch etwas mehr Kraft für die anstehenden Combos sammeln können. Auch wenn die Essensausgabe nicht besonders gut organisiert worden war und die ersten Schnapsleichen hier und dort gelegen haben.
ENTOMBED habe ich, wie die vielen anderen Bands des Abends, schon sehr oft gesehen. Leider muss ich zugeben, dass ich nie wirklich sehr überzeugt von ihnen gewesen bin. Doch an diesem Tag, musste ich mich geschlagen geben. Habe einfach nichts gefunden, was gegen diese Show sprechen könnte. Die Schweden der Oberhammer. Erneut hieß es eher, schade, dass es bloß 40 Minuten sind. Sie haben genau das gezeigt, wofür sie schon seit fast 20 Jahren stehen, kompromisslos, knallender (Old-School) Death´n´Roll mit viel Sinn für Humor und bestem Zugang zum Publikum. Einige Tracks der Show gefällig? Abnormally Deceased, Crawl, Revel in Flesh, Sinners Bleed, Supposed To Rot, When in Sodom, Stranger Aeons, Left hand path, Out of Hand.

SAMAEL, die (ebenfalls) nur auf persönliche Einladung von Peter den Weg nach Warschau aufgenommen hatten, passten von vornherein, zumindest auf dem Papier, nicht wirklich zum Package dieses Jubiläums. Denn allein mit ihrem Uraltsong „Into the Pentagram“ konnten sie die meisten Death & Black Metal Fans des Abends überzeugen. Auch wenn Solar Soul, Slavocracy, Ave & Baphomet`s Throne ebenfalls überzeugt haben. Coole Performance, ordentlicher Sound, eine durchaus düstere und daher für diesen Abend eine passende Show. Kein Wunder, dass Vorph und Peter so gute Freunde seit den tiefsten Undergroundzeiten geblieben sind.

Die Meute war nicht mehr zu halten! Der Wahnsinn brach aus! VADER Rules!
Reicht das etwa nicht? Braucht noch jemand eine Info über einige der vorgestellten Tracks? Ich denke eigentlich nicht notwendig, aber wenn es sein muss, hier ein Auszug: Chaos, Vicious Circle, Dark Age, Silent Empire, Sothis, Wings, Reborn in Flames, Carnal, The Crucified Ones, Black to the Blilnd, Kingdom, Gin Psie, Raining Blood und und und…. Auch wenn die geplanten 120 Minuten (inkl. Pausen!) leider nicht wirklich erfüllt worden sind, so tat es dem Gesamteindruck keinen echten Abbruch. Selbst „Gin Psie“ reichte aus, um noch Jahre später von dieser Performance den Enkelkindern zu erzählen.
Sowohl die Hauptakteure als auch einige der angetretenen Gäste wie Sakis (Rotting Christ Vocals bei Carnal), Marek Pajak (Gitarre – normalerweise bei Esquarial) oder Simon (bei Vader „Revelations“, sonst bei Hunter) haben gezeigt, dass solche Veranstaltungen nur ein einziges Mal im Leben vorkommen (dürfen!). Man muss so etwas erlebt haben. Doch leider haben weitere Gäste wie u.a. der gute alte Gitarrist CHINA (bis „Future of the Past“) es aufgrund der polnischen Verkehrswege nicht geschafft zu erscheinen.

Doch eins hätte ich als besonderes Manko der VADER Show anzumerken (ich weiß, der Arturek muss mal wieder meckern, bla, bla, bla!). Gerade deswegen, weil es ein besonderer Tag war, hätte ich mir viel mehr (und noch mehr!) überraschende Songs gewünscht. Auch wenn die Show aus überwiegend alten Songs gestaltet worden ist, so hätte es ruhig auch einige mehr der „neueren“ Ära geben dürfen. Zudem vielleicht weitere oder eben krassere, unerwartete Coverversionen (u.a. „I.F.Y“, „Flag of hate“, „Links 1, 2, 3“, „Outbreak of evil“ usw). Ein „Raining Blood“ Cover hat doch schon jeder mind. 1-mal bei einer Show der Polen erlebt, also warum nicht mal „Silent Scream“, wenn es schon nun wirklich Slayer bei einer eigenen Geburtstagshow sein muss. Was ich nun sowieso nicht verstanden habe, warum die Meute gerade bei einem Coversong zum Schluss noch so abgeht. Vader sind doch seit 25 Jahren dabei, was soll das? Schade, aber im Endeffekt auch nicht sonderlich schlimm. …es wird wohl auch ein 30-jähriges/40-jähriges Jubiläum geben oder?
…und vielleicht wird VADER nun bei allen beteiligten Bands zu deren XXV Anniversary Shows eingeladen.

Was ist nun negativ aufgefallen?
Auch wenn es so schön ist etliche Bands an einem Tag genießen zu können, die auch noch fast alle eine geniale Show boten, umso heftiger fällt das Urteil darüber, wenn man so lange auf den eigentlichen Hauptact warten muss. Erschöpfung und das viele Bier seit 11 Uhr sprechen eine eigene Sprache. Manchmal ist eben weniger mehr. Von mir aus hätte man hier auf Nile und Marduk verzichten können oder zumindest die gesamte Show auf zwei Tage ausdehnen und die guten alten Kumpels der vielen VADER-Tourneen wie Deicide, Malevolent Creation, Frontside, Behemoth, Decapitated, Dying Fetus und und und einladen können.
Doch das absolute Manko dieser Veranstaltung war die Essensausgabe bzw. Möglichkeiten überhaupt etwas zu essen zu ergattern; für den gesamten Tag!!! Lediglich zwei mittelgroße Grillstände mit bloß (polnischen) fettigen Würstchen und einigen Steaks waren zur Auswahl vorhanden. Erst spät am Abend durfte man noch ein paar Hamburger durch Zufall erhaschen. Aber sage und schreib etwas mehr als „eine“ Stunde musste man sich anstellen, um überhaupt eine Wurst/ein Stück Brot oder eben Steak zu erwerben. Das geht natürlich gar nicht und entsprechend war auch die Laune der Fans diesbezüglich. Doch wie sagt man so schön, drei Bier sind auch ein Steak. Was wohl wirklich viele als Alternative genutzt haben.

Mein Dank geht natürlich an VADER für diese besondere Show, als auch Mariusz (Massive Music) und meinen Viggo.

geschrieben am 03.09.2008   von Arturek (metalglory.de)

 

 

 

 

 

 

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