MONOLORD und CONAN: 18.10.2017, Berlin

MONOLORD und CONAN: 18.10.2017, Berlin

📁 Live 🕔19.Oktober 2017
MONOLORD und CONAN: 18.10.2017, Berlin

Ein denkwürdiger Tag: Berlin, 18.10.2017, wunderbar sonniger Herbst, lachende Menschen am Spreeufer, voll besetzte Tische auf den Bürgersteigen in Berlin Kreuzberg, Kaffee, Gespräche, Biergenuss inmitten des geschäftlichen Treibens.

Und dann kommt der Abend.

Und dann kommen sie. MONOLORD und CONAN. Es ist angerichtet. Das schwarze Zimmer (Wie passend!) im Musik und Frieden, etwa 250 Leute, eine einzige große Familie, man kennt und versteht sich, alles läuft entspannt, vom unglaublich freundlichen Hünen am Einlass bis zum schnellen und aufmerksamen Personal an der Theke im Saal.

Dann ist es 20.00 Uhr. MONOLORD betritt die Bühne, etwas mehr als 60 Minuten. Nach einem kurzen Umbau folgen CONAN, auch sie für etwas mehr als eine Stunde. Danach spucken sie uns hinaus in die Nacht. Entkräftet. Glücklich. Beseelt.

Und dazwischen? Da passiert etwas, was für mich nur schwer in Worte zu fassen ist. Etwas sehr lautes, dunkles, tiefbrummendes, drückendes, tonnenschweres, das in meinem Schädel folgende Wortkaskaden auslöst:

Blei, Tyrannosaurus, Steinlawine, Sandstrahlgebläse, Mammutbaum, Panzerketten, Holzspalter, Schrottpresse, Atompilz, Supertanker, Dampfwalze, Bärentatze, Lavafluss, Bierfassanstich, Glascontainer, Mettbrötchen, Orkanschneise, Nasenbluten, Hirnfrost, Bullterrier, Mähdrescher, Wäscheleine, Backenbart, Kathedrale, chinesische Mauer, Anakonda, Bohrturm, Ritterrüstung, Hau den Lukas, Morgennebel, Lederstiefel, Kettenrasseln, Kellertreppe, Wäschemangel, Gartenhäcksler, Baseballschläger, Chinaböller, Dampflokfauchen, Höhlenmenschen.

Beide Bands haben ihren eigenen Stil. MONOLORD agiert etwas minimalistischer, schwerer, langsamer, monolitihischer. Die drei Musiker geben alles, schwitzen, wiegen sich im Takt der Musik, folgen spasmodisch dem donnernden Rhythmus. CONAN beweisen, dass gehobene Schnelligkeit nie (NIE!) etwas mit Seele, Dunkelheit und Attitüde von DOOM und Sludge zu tun hat. Ihre teilweise vor allem vom Schlagzeug peitschend nach vorn getriebenen Songmonster strotzen vor massiver Brachialität und gnadenloser Härte, über die sich immer wieder im Wechsel oder gemeinsam beide Stimmen aus tiefsten Schlünden ergießen.

Auch ich stehe schließlich gegen 22.30 Uhr draußen vor der Tür. Fremde Menschen schauen mich komisch an, vermutlich sehen sie in meinem Gesicht diesen Ausdruck des ungläubigen Erstaunens, dieses Zurückgeworfen sein auf die pure Existenz. Diese wahrhaftige, aufrichtige Verzauberung, Verzückung, Berauschtheit. Am Leben. Am Glauben. Am Sein. Ich sehe mich um. Ich bin nicht allein.

Mein letzter Gedanke: Sehnsucht. Kommt bald wieder. Ich warte auf Euch!

 

 

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