Party.San Open Air 2017 – Schlotheim vom 10.08. – 12.08.2017

Party.San Open Air 2017 – Schlotheim vom 10.08. – 12.08.2017

📁 Allgemein, Live, Musik, News 🕔29.Oktober 2017
Party.San Open Air 2017 – Schlotheim vom 10.08. – 12.08.2017

Wenn alljährlich der Belzebub zum fröhlichen Todes- und Schwarzmetallhappening im sonst recht beschaulichen  Bad Berka lädt, dann gibt es neben der vollen musikalischen Vollbedienung in der Regel auch die volle Hitzebreitseite. Klar, soll ja alles auch seinen würdigen Rahmen haben. Irgendetwas scheint aber mit der Zwangsberurlaubung vom nonexistenten Gott in diesem Jahr gehörig schief gelaufen zu sein, denn ab Donnerstag herrschten kühle Temperaturen, ein unangenehmer Wind und wiederkehrende Schauer. Aber was Solls, irgendwann musste das ja passieren. Glücklicherweise ist das P:S:O:A Gelände für solche Widrigkeiten bestens gerüstet,  Schlammschlachten und absaufende Antichristen wie anderswo sind hier geländebedingt gar nicht möglich. Aber sonst ist alles zum Glück beim alten geblieben bei unserem jährlichen Lieblingsfestival: Preise? – konstant, Organisation? – top, Stimmung: unvergleichlich! So muss das.

Donnerstag

Nach einer rauschenden Begrüßungsparty mit Metal-Disco gibt es dann jetzt auch Live Musik. Ja genau, MUSIK, anders kann man die Traditionsmetaller von NIGHT DEMON nicht bezeichnen. Ein stilistischer Außenseiter als Opener …mancher fragt sich ob das wohl gut geht. Tut es, mit nur drei Leuten machen NIGHT DEMON  mehr Musik als andere mit Orchester und Posaunenchor. Dafür werden sie zu Recht abgefeiert, und wer Iron Maidens Wasted Years als Trio derartig hingebungsvoll darbietet darf sich zu Recht als einer der besten PSOA Opener aller Zeiten bezeichnen.

Mit AZARATH hingegen gibt es auf die Fresse, dazu auch noch pfeilschnell und technisch sauber geboten. Aber es gelingt ihnen bis jetzt nicht, die Night Demon Melodien aus den Gehörgängen der meisten Besucher zu vertreiben. Trotzdem solide.

Die Isländer MISTHYRMING setzen hier eher auf kalte Atmosphäre und setzen dieses auch noch optisch sehr gelungen in Szene. Für kurzzeitige Hitzewallungen sorgen hier die großzügig eingesetzten Flammenwerfer vor der Bühne.

Die gefallen auch Henri Sattler der mit GOD DETHRONED  aus den Niederlanden angereist ist. Mittlerweile als Gitarrenbauer tätig (Serpent King Guitars) zeigt er trotzdem, dass er in den Jahren der Abwesenheit nichts verlernt. Und auch Songs wie Villa Vampiria oder Soulreaper haben ganz offensichtlich keinen Rost angesetzt. Welcome Back!

MANTAR bieten da ein ganz anderes Bild. Nur als Duo tätig, entfachen Hanno und  Eric ein doomiges Lärminferno. Im Vergleich zum Gig beim RockHarz zeigt sich Hanno in bester Laune und vergleichsweise kommunikativ. Ich persönlich kann mich an keinen schlechten Gig der beiden Wahl-Hamburger erinnern, und allein dieses Jahr hab ich sie drei oder viermal gesehen. Und da sind wir beim Thema: MANTAR haben in den vergangenen Jahren an jeder Milchkanne gespielt und ich hoffe für sie, daß sie nicht irgendwann unter einem Abnutzungseffekt leiden müssen. In Schlotheim ist es aber definitiv nicht soweit.

DARKEND NOCTURN SLAUGHTERCULT. Nun ja, ich will objektiv sein, versuche es zumindest, kann mir aber bereits beim Anblick von Sängerin Onielar in ihrem weißen Kleidchen das erste Grinsen nicht verkneifen. Freilich, hier wird optisch einiges geboten, der Mann an den Flammenwerfern lässt sich auch nicht lumpen und spieltechnisch brennt hier auch nichts an. Aber trotzdem zündet bei mir nichts. Und da bin ich nicht der einzige.

Und weiter geht’s, OVERKILL sind da. Bobby Blitz zeigt den Mittelfinger, brüllt Fuck You, der Wettergott lässt sich sowas nicht bieten und dreht den Regen-Regler postwendend auf ‘All Gods rain on 10! -. Das macht aber nichts, OVERKILL gehören zu den besten Live Bands des Genres, egal bei welchem Wetter, und genau das zeigen sie auch hier in Schlotheim. Elimination, Fuck You oder Deny The Cross: Es passt. Geiler Gig.

ABBATH aus Norwegen ist derartiges Wetter natürlich gewöhnt. Direkt nach Overkill auf die Bühne zu müssen ist da schon das größere Problem. ABBATH nimmt’s mit Humor und präsentiert einen soliden Mix aus eigenen Songs und IMMORTAL Hits wie One By One oder Tyrant sowie einigen Mätzchen und rettet sich somit über die Zielgerade.

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 Freitag

Für mich beginnt der Tag mit DEMOLITION HAMMER. Seit ihrem Debut Tortured Existence gehört das Quintett aus der Bronx zu meinen absoluten Lieblingsbands. Dementsprechend hoch ist die Vorfreude. Und nein, ich werde nicht enttäuscht. Steve Reynolds flucht wie ein Bierkutscher und will offensichtlich für die meisten „Fucks“ in die PSOA Geschichtsbücher aufgenommen werden. Der Rest der Band gibt auch ordentlich Gas, der Soundmann schiebt die Regler nach oben und Granaten wie Skull Fracturing Nightmare oder das abschließende 44Caliber Brain Surgery machen die Show zu einem denkwürdigen Ereignis.

VITAL REMAINS ziehen dann allerdings den Brutalitätsfaktor wieder an. Technisch den meisten Bands weit überlegen, hämmern die Amis das komplette Gelände in Grund und Boden. Sprichwörtlich: das alles zerfetzende Hammer Down The Nails.

UADA waren mir bis dato völlig unbekannt, überraschen mich aber positiv. In modernen Roben und Kapuzentüneff gehüllt erschaffen sie mit ihrem Black Metal eine ganz eigene und packende Atmosphäre. Songs wie Black Autumn/White Spring oder Devoid Of Light sorgen hüben und drüben für offende Münder und entsprechenden Applaus.

MOONSORROW sind nicht zum ersten mal hier, somit wissen sie wie es geht. Bei ihren vorangegangenen Party San Besuchen haben sie stehts einen guten Eindruck hinterlassen, und so findet sich die bisher größte Menge des Tages vor der Bühne ein. Der schroffe und gleichzeitig hymnische Pagan Metal der Finnen wird dankbar angenommen, obgleich die teilweise überlangen Songs aufgrund der kurzen Spielzeit auf festivaltaugliches Format gebracht werden müssen.

VADER waren zuletzt 2007 hier zu Gast, damals regnete es. Und siehe da, zum Opener Wings beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Ärgerlich, denn ein nicht unbeträchtlicher Teil der Meute zieht sich ins Zelt oder an die Bierstände zurück. Das haben Vader nicht verdient, denn ihre Show ist wie immer über jeden Zweifel erhaben.

Bei NILE bessert sich dieser Umstand zwar ein wenig, trotzdem kommt erstmal nicht die übliche Stimmung auf. Letztlich kriegen die Amis aber das Ruder noch herumgerissen und bieten eine mehr als gute Show. Wenn die Mannen um Karl Sanders den Drang zum Perfektionismus bei einer Live-Show mal zurückhalten würden, würde ein Nile Show richtig klasse sein.

Wie CANDLEMASS live mit Mats Leven am Gesang klingen werden und ob das wohl funktioniert habe ich mich schon Monate vor dem PSOA gefragt und stelle mich ein wenig skeptisch vor die Bühne. Schon bei Opener Mirror Mirror verfliegen meine Zweifel. Mats Leven macht seine Sache ganz hervorragend. Der Rest der Band auch, wenngleich auf teilweise geliehenem Equipment und ohne Backdrop. Dieses hat die skandinavische Airline SAS verbaselt und bekommt dafür von Mats folgerichtig ihr Fett weg. Ihr Fett weg bekommen auch alle die auf Doom Metal stehen. Samarithan, Well Of Souls oder At The Gallows End sind absolute Doom Orgasmen und verfehlen ihre Wirkung nicht. War das geil Leute!

Die kultigen AUTOPSY sind da etwas völlig anderes. Hier wird – im Gegensatz zu Bands wie Nile oder Vader – gerumpelt wie ein kaputter Trecker. Und das ist gut so, schön das in einer Zeit wo jeder nur noch schneller und präziser und technischer spielen möchte es noch sowas gibt. Das sehen die Fans genauso und legen zu Todesrumplern wie Arch Cadaver oder Voices eine flotte Sohle auf den Asphalt. Ein mehr als würdiger Headliner.

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Samstag

Pünktlich um 11 Uhr öffnet das Gelände. Damit auch alle Schnarchtassen dieses mitbekommen, werden wie immer zwei Panzergeschütze abgefeuert deren Granaten direkt über dem Campground detonieren. Meiner Frau haute es vor Schreck die Kaffeetasse aus der Hand, andere haut es vom Lokus.

Pünktlich zu MOURNING BELOVETH schaffe auch  ich es dann vor die Bühne. Getragener DoomDeath aus Irland ist um diese Uhrzeit eine echte Herausforderung, aber die Iren meistern diese durchaus souverän. Songmaterial mit Gehalt und Tiefe funktionieren eben fast immer.

Die Schweden MERCILESS finden sich mit schöner Regelmäßigkeit immer mal wieder live zusammen um der alten Tage zuliebe nochmal zu spielen. Besonders ihr Album Unbound tat es mir schon in den Neunzigern an, daher ist es mir immer wieder ein Vergnügen die alten Nummern nochmal live geboten zu bekommen. So ist es auch heute, speziell Unbound macht immer wieder Spaß.

HADES ALMIGHTY waren in den frühen Neunzigern an den berühmten Kirchenbrandstiftungen beteiligt (bzw. der Gitarrist), heute gilt für sie das gleiche wie für Merciless: Ganz nett nochmal Crusader of the Underworld Horde zu hören, aber weltbewegend ist das nicht. Da haben Merciless die Nase vorn.

Mit CRYTOPSY  aus dem Ahornland wird’s schnell und frickelig. Gottlob wird hier nicht vergessen das ganze songdienlich einzubringen, somit wird auch diese Show zu einer amtlichen TechDeath Sause.

Auch INQUISITION beeindrucken einmal mehr: Mit zwei Mann ein derartig dichtes und packendes Klangbild zu kreieren ist aller Ehren Wert. Anspruchsvoll in Szene gesetzt ernten schwarze Schönheiten wie Dark Mutilation Rites verdienten Beifall.

NECROPHOBIC wurden auf dem Party San lange nicht gesichtet, somit wird es mal wieder Zeit. Schlauerweise steigen die Schweden mit Spawned By Evil in den Set ein und haben quasi schon gewonnen. Mit getünchten Visagen und erneuertem Line Up wird ein kaltes Feuer entfacht. Die mehr als gelungene Songauswahl bietet einen repräsentativen Querschnitt der langen Karierre und findet mit The Nocturnal Silence ihren Höhepunkt.

Ein wenig melodischer gehen im Anschluss die Finnen INSOMMNIUM  zu Werke. Allerdings auch wesentlich gebügelter, weniger böse und insgesamt ziemlich glatt. Das mag eigentlich nicht so richtig hierher passen, allerdings kommen Insommnium überraschend gut an, was auch wesentlich an ihrem professionellen Auftreten liegt.

Alles andere als glatt und gebügelt sind die Koblenzer DESASTER. Das Quartett ist nicht zu Unrecht so etwas wie ein Stammgast auf dem Party-San. In den vielen Jahren ihres Bestehens ist die Band sich und ihren Prinzipien wirklich immer treu geblieben. Da ändern weder ein Deal mit einem großen Label, noch die immer größer werdenden Shows auch nur das Geringste. Eines eben genannter Prinzipien dürfte wohl sein, auf der Bühne immer das Beste abzuliefern, und genau das tun Desaster auch heute wieder. Ob Teutonic Steel, Necroplolis Karthago oder Satans Soldiers Syndicate: Hier wird mit Klasse gerumpelt und genau der Nerv des Publikums getroffen.

Jeff Becerra und POSSESSED haben ein neues Studio-Album für 2017 angekündigt welches über Nuclear Blast erscheinen soll. Die heutige Show macht da auf jeden Fall neugierig, auch wenn der Fokus hier natürlich auf Klassikern wie The Exorcist oder Seven Churches liegt. Jeff Becerra ist trotz der Tatsache das er seit vielen Jahren im Rollstuhl sitzt motiviert und im Rahmen seiner Möglichkeiten agil, seine BackingBand feuert aus allen Rohren und es ist einfach schön zu merken, daß ein guter Song auch nach dreißig Jahren noch ein guter Song bleibt.

Da MORBID ANGEL aufgrund eines Pass-Problems nicht nach Europa kommen konnten, wurden vom Veranstalter kurzerhand TRYPTIKON rekrutiert. Diese sind anfangs sichtlich erfreut, ihr Programm auf der großen Hauptbühne darzubieten nachdem 2010 die Show kurzfristig in das Zelt verlegt werden musste. Ein paar technische Probleme lassen Tom Warrior dann anfangs noch mit dem Schicksal hadern, danach entfaltet das Programm aber seine Wirkung. Und das kann sich sehen und hören lassen, speziell die alten Celtic Frost Klassiker wie Procreation Of The Wicked oder Dethroned Emperor lassen einem – nicht nur wegen der Aussentemperaturen – das Blut gefrieren. So wird dann am Ende doch alles gut und das Party-San 2017 würdig abgeschlossen.

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Fotos von Katrin Truckenbrodt / Kat T Photography

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