TOMBSTONE – „Evolution“

TOMBSTONE – „Evolution“

📁 Reviews 🕔11.April 2018
TOMBSTONE – „Evolution“

TOMBSTONE – „Evolution“

Label: Roll The Bones Records / Soulfood

Laufzeit: 32:49

VÖ: 24.03.2018

Genre: harter Midtempo Groove Death Metal mit deutschen Texten

 

Die deutschen TOMBSTONE – Bands mit diesem Namen gibt es nicht gerade wenige – legen mit „Evolution“ nach „Point Of No Return“ von 2014 ihre zweite Scheibe vor. Und sie sind dabei von englischen auf deutschen Gesang gewechselt. Damit gelingt ihnen im ja nicht gerade schwach besetzten Schlachtfeld des Death Metal auf jeden Fall schon mal ein Aha-Effekt. Ich kannte die Herren bisher nicht, bin aber begeistert von ihrem fetten Mix aus Death Metal und schwerstem Groove.

Bei TOMBSTONE macht es im Ergebnis der Gesamteindruck aus Sound, Können, Musik, Liedern und Attitüde. Die einfache Rechnung: Sound = fett. Jawoll. Warm, natürlich, Gitarren sägen sich tief und brachial quer durch das Hirn, Bass und Schlagzeug treten von unten aber mal richtig in den feisten Po und schieben Gitarren und Gesang breitbeinig vor sich her. Alle Herren agieren äußerst souverän an ihren Instrumenten: Das Schlagzeug rackert songdienlich, glänzt aber immer wieder mit originellen rhythmischen Figuren und schicken Breaks. Der Bass potenziert mit wuchtigen Linien den Groove. Die Gitarren hauen fette Riffs im Minutentakt heraus, die ebenso schwer grooven wie sie sich brutal schnell vorwärts wälzen. Und Herr Maddin growlt sich darüber die Seele aus dem Leib, mal eher in wütendem Stakkato proklamierend („Mehr davon“, „Erwachen“), mal als wachechter Aggroshouter („Evolution“, „Spiegelwelten“), mal mit durchschimmernder melodischer Patina („Welt in Scherben“). Das hält die Lieder stets spannend, abwechslungreich und überraschend.

Vor allem aber passt bei TOMBSTONE eines: die Musik. Geboten wird schwer groovender Death Metal, der sich zumeist im Midtempo bewegt und in kurzen knackigen Liedern schnell auf den Punkt kommt. Die Stimmung der Lieder ist dabei stets düster, abweisend, unfreundlich, böse, grimmig, hässlich. Da findet sich viel Dunkelheit, Wut, Zorn, Erbitterung, Groll, und kaum Hoffnung, Leben, Licht. Tempo und Struktur der Stücke unterscheiden sich dabei trotz einer massiven Kompaktheit des Gesamtwerkes in stets erkennbaren und spürbaren Details. Da legt es sich wie steinerne Brocken auf Herz und Seele, schwer getragen, dunkel und abgrundtief böse („Schweigen“), da zuckt es groovend durch Mark und Bein („Erwachen“), und da überfährt es uns gnadenlos wie mit einem dreckstarrenden Truck („Evolution“). Das ist in seiner Machart ebenso was für Fans von Pantera, Cavalera Conspiracy und Hellyeah, wie auch für Stahlhammer und Richthofen. Zu jeder Sekunde spürt man zudem den Enthusiasmus, den Schweiß und die Hingabe, mit der TOMBSTONE sich ihrer Musik widmen. Man fühlt, dass sich hier jemand mit Haut und Haaren der harten Musik verschrieben hat und mit jeder blutigen Faser seiner verdammten Existenz all seine Energie, sein Herz und seine Seele für die Musik, die Band, den Kosmos mobilisiert.

Und mit „Evolution“ ist den Herren zudem ein formidabler Hit gelungen, das Ding hat sich erbarmungslos in meinem Schädel festgekrallt und tobt mir schwer bangend von morgens bis abends durch die Synapsen.

Fazit: TOMBSTONE haben aus Aggression, Können, Leidenschaft und Willen ihr Album „Evolution“ erschaffen und machen damit dem deutschen Death Metal alle Ehre. Das ist schwer groovender Death Metal mit deutschen Texten, so mitreißend und packend wie intelligent und originell. Absolute Hörempfehlung – nein: Hörbefehl!

Tracklist

1. Intro (0:23)
2. Immun (3:18)
3. Erwachen (4:03)
4. Welt in Scherben (3:48)
5. Alptraum (3:18)
6. Evolution (3:20)
7. Mehr davon (3:41)
8. Schweigen (3:18)
9. Spiegelwelten (3:43)
10. Vor Tag (3:56)

Diesen Artikel in einem Sozialen Netzwerk teilen

Ähnliche Artikel